Wer A sagt, - Freiheit vs Verpflichtung in der Sexualität
- Roger Spiess

- 28. Sept.
- 4 Min. Lesezeit
Die wichtigste Regel – das eigentliche Gesetz – in all meinen Sessions, Workshops und Seminaren ist einfach und klar:
Wer A sagt, muss gar nichts.
Das bedeutet: Selbst wenn du dich für eine Sexual Healing Session anmeldest, entscheidet allein dein Gefühl im Moment, was wirklich geschehen wird.

Und weil du dich als Klient*In mir anvertraut hast, gilt deine Gestaltung der Session, nicht die meine. Ich halte nur den Raum für uns. Und in meinem Verständnis von Raum halten verstehe ich, dass meine Aufmerksamkeit der Erhaltung der Klarheit und Authentizität in deinem und meinem Sein und der Energie im Raum alleine gilt.
Diese sind die kostbaren Energien die Wandlung und Auflösung bringen können.
Ich kann mich gut erinnern, als junger Mann, als ich von einer sehr schönen Frau an einer Party angesprochen wurde. Schon während der Party war klar, dass ich zu ihr nach Hause gehen würde.
Dort angelangt, gab es plötzlich ein Nein in mir. Und dazu darf ich festhalten, dass wir uns, zu diesem Zeitpunkt schon nackt im Bett, streichelten.
Alles war perfekt, es gab an nichts etwas auszusetzen, schon gar nicht an ihr. Mein Kopf stürmte: Das ist die goldene Chance! Tus! Schau doch wie sexy sie ist!
Nur, mein Bauch, unbeeindruckt von meinen Gedanken zog sich in sein schweigendes Nein zurück und wurde für mich unfühlbar. Dieses Nein war nicht laut. Oder eindringlich. Nein, aber es zog mich einfach weg von dort. Aber wie sollte ich das mitteilen, wenn ich nicht wusste, was mich weg zog?Ich kann mich nicht mehr genau daran erinnern, was ich sagte, ich erinnere mich nur noch an mein Gefühl und wie ich es damals sagte: Beschämt, hilflos und mich voll schuldig fühlend. Schuldig vor allem deswegen, weil ich weder ihr noch mir mein Nein erklären konnte.
Als ich dann wieder draussen in der frischen Morgenluft auf dem Weg zu meinem Töff war, stürmte mein Kopf immer noch, diesmal vor Enttäuschung über mich selbst. ‹Wer um Himmels willen vergibt eine solche Chance auf Sex!! Wohl nur wer seinen Mann nicht stehen kann!›
Mein Bauch schwieg immer noch. Doch diesmal anders. Es gab da neu eine stille, kaum merkliche Entspannung in mir. Ganz klein, wie eine kleine goldene Kugel mitten in meinem Becken. Weich, warm und sanft. Und doch durchdrang sie mit friedlicher Kraft alles in mir und um mich herum. Die Bäume, die Wolken, den Fluss in der Nähe. Das war in dieser Einfachheit sehr, sehr schön.
Die Gedanken die diesem verpassten sexuellen Abenteuer nachtrauern habe ich immer noch. Und die tiefe Entspannung die durch die Freundschaft und Loyalität zu meinem Körper entstand, auch. So kann ich diese Energien immer wieder, wenn nötig, gut ausgleichen….
Nicht viel später, auf Besuch bei einem Freund von mir, entdeckte ich den gedruckten Satz auf einem Kleber an der Kühlschranktür:
Wer A sagt, muss gar nichts.
Und ich fühlte: dass ist einer der Schlüssel zu einer guten Freundschaft mit sich selbst und dem eigenen Körper, und somit zur Sexualität. Und heute noch kann ich das nicht erklären. Ich kann es dafür umso klarer fühlen.
Später dann begann meine Arteit mit der Sexualität und immer wieder stellte ich fest, dass ich in sovielen 1:1 Sessions wie auch Seminaren genau dahin arbeite, diese Regel für Menschen fühlbar und lebbar zu machen.
Ein Kuss ist ein Kuss, und ein Tanz ist ein Tanz. Nicht mehr, und nicht weniger. Nichts verpflichtet mich zu irgend etwas in der Sexualität. Die einzige Verpflichtung die ich habe, ist mich jederzeit wahrzunehmen in meinen Gefühlen. Und jederzeit sexuelle Handlungen, egal wie weit sie schon fortgeschritten sind, beeinflussen oder abbrechen kann. Auch ohne zu wissen warum.
Und dies setzt eine solide eigene Körperwahrnehmung und sexuelle Kompetenz voraus.
Und es ist nicht so, dass diese Regel die Sexualität durch Vorsicht oder überbewerten von Hoffnungen und Ängsten beeinflusst. Nein, im Gegenteil: diese Regel öffnet die Sexualität, und ich habe das selber an mir und TeilnehmerInnen und KlientInnen erfahren, auf entspannte Weise in tiefere, weitere und mehr verbundene Ebenen, als sie sonst möglich sind.
Ich steige eher im Winter in den kalten See wenn ich weiss, dass ich das in meinem eigenen Tempo tun kann, und jederzeit auch abbrechen kann.
Ich probiere eher ein mir unbekanntes Essen aus, wenn ich in kleinen Bissen erst mal anprobieren und dann und immer noch Nein sagen kann, als wenn ich es dann auch fertig essen müsste….

Deshalb: Sexualität hat nie, wirklich nie mit Verpflichtung zu tun. Und sie hat in ihrem Wesen nie, wirklich nie mit Disziplin zu tun.
Spürst du eine dieser Energie in deiner Partnersexualität, oder in einem One night stand, dann lade ich dich eindringlich dazu ein, dich, deine Gefühle und deinen Körper noch einmal gut wahrzunehmen mit der Königs und Könniginnenfrage aller Fragen: Wie geht es mir grad jetzt in diesem Moment?
Und mit der Antwort dann gilt nur noch eines: Nimm dich ernst. Denn nur so belügst und verarschst du dich nicht selbst, und unter Umständen auch dein/e Partner*In...
Die befreiende Logik von ‹Consent Ja› sagen lernen wir sehr oft über das Nein sagen. Denn:
Wer Nein sagen kann, kann auch zu allem Ja sagen.
Befühle das gut.
©Roger Spiess
extrahiert aus einem Disput mit KI.






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