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Feuerhüter - Männergruppe für mich selbst.

Es regnet.

Ich sitze an einem Feuer, das gross und stark genug ist auch mit dem Regen zu sein.

Daneben ein Inipi. Frauen Schwitzhütte. Ich draußen. Sie drinnen. Stille. Nur das knacken des heißen Feuers und manchmal das knallende Zerbersten eines Steines rufen in die Dämmerung. Darüber das Lied der Regentropfen auf den Blättern der Bäume und Sträucher um uns herum. Seit Jahrmillionen singen sie diesen heiligen Gesang von Mutter Erde.

Ich bringe die glühenden Steine in den Schoß der Schwitzhütte. Und lausche dann den Stimmen der Frauen und ihren Gesängen. Sie singen aus sich heraus zu sich selbst. Sie singen zueinander, miteinander, und hinaus in den Regen. Ich fühle immer klarer, dass nicht die Frauen alleine tönen. Ihre tiefinnersten Seelen, Ihre tiefinnerste Weiblichkeit singen mit. Ihre Ahninnen aus dem grossen Nirgendwo stimmen mit ein. Es sind nicht mehr nur ein Dutzend Frauen die tönen. Es ist ein Chor hunderter von Stimmen in dieser einen Hütte, in diesem einen Schoss. Bald kann ich den Gesang des Regens nicht mehr von dem der Frauen unterscheiden. Sie singen, völlig natürlich, im Einklang mit dem uralten Lied des Regens. Ihre Stimmen, ihre Seelen, ihre Gefühle darin berühren mich tief. Ich beginne zu fühlen, was Frau, was Weiblichkeit ist, jetzt, wo sie für niemanden sonst tönen als für sich selbst und zu sich selbst...Und genau darin, urplötzlich und ohne Anstrengung, spüre ich mein Männerherz schlagen. In einer Schönheit und Kraft die ich so noch nie vorher wahrgenommen habe. Ich werde still in mir, bis alles von mir abfällt: Mein Wissen, meine Erziehung, meine Kultur, mein Glauben. Alles fällt in das tiefe Vergessen des Universums. Alles, bis auf meine Essenz. Die Essenz meiner Männlichkeit. Da stehe ich. Im Regen am grossen Feuer. Frauen singen in der Schwitzhütte mit Mutter Erde und ich werde derjenige, der Weiblichkeit fühlt und sieht. Von einem Ort aus, welcher nur der Ort der reinen Männlichkeit sein kann. Ich finde Frieden darin. Frieden, denn, nur von dort wo ich Mann bin, kann ich Frauen so sehen wie sie sind. So, wie Frauen sich nie selbst sehen können. So, wie wir Männer uns selbst nie vom Ort der Frauen aus sehen können. Das ist schön. Schön wie ein stilles, magisches Geheimnis der Wahrheit. Meine Ahnen sehen mich. Mögen wir uns alle eines Tages sehen. Mögen wir uns alle eines Tages wirklich sehen. Was dann wohl entstehen wird?



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