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Sehen wir das Wunder nicht?

Ich weiß es nicht genau, aber ich nehme an, dass die Wahrscheinlichkeit, dass irgendwo im All durch einen Urknall exakt dasselbe Universum entsteht wie dasjenige, in dem wir jetzt leben, gegen Null tendiert. Es ist eine Dimension, die unsere kognitive Leistung – selbst mit Unterstützung von KI – bei weitem übersteigt.


Die Wahrscheinlichkeit, dass sich – beginnend mit der ersten Zellteilung in der Ursuppe – exakt Deine DNA entwickeln würde, die du heute in dir trägst, ist eine Zahl mit so vielen Nullen nach dem Komma, dass unser Verstand sie nicht mehr greifen kann. Hier öffnet sich die Türe in versuchende Erklärungen die von einer Göttlichkeit, oder einer höheren schöpferischen Macht sprechen wollen. Nun, wie auch immer ein Mensch das für sich einordnen möchte, wissenschaftlich oder spirituell: Das Wunder bleibt.

Und vereinfachen wir diesen Gedanken noch weiter, wird das Wunder umso greifbarer: Die Entwicklung des modernen Menschen, vom ersten aufrechten Gang bis zum heutigen Bewusstsein, dauerte Millionen von Jahren. Über diesen unvorstellbaren Zeitraum existiert eine ununterbrochene Linie an Vorfahren von dir.


Ganz grob geschätzt: Allein in den letzten 10.000 Jahren waren es etwa 400 Generationen. Gehen wir weiter zurück bis zu den Anfängen unserer Spezies, sprechen wir von weit über 10.000 Generationen. Hätte in dieser Jahrmillionen alten Kette nur eine einzige Vorfahrin gefehlt, wäre er vor der Fortpflanzung dem Hunger, einer Krankheit oder einem Raubtier zum Opfer gefallen, gäbe es Dich heute nicht. Du bist der erfolgreiche Endpunkt einer Milliarden Jahre langen Überlebensgeschichte, und das Ergebnis von zehntausenden Generationen, die das Wunder des Lebens bis zu dir weitergegeben haben.



Das Wunder im Inneren

Und selbst wenn es dich heute gibt, ist dein Lebendigsein allein schon ein tägliches Wunder. In deinem Körper arbeiten 79 Organe in perfekter Abstimmung zusammen. Davon gelten Herz, Gehirn, Lunge, Leber, Nieren, Magen, Darm und Haut als essenziell. Alle diese 79 „Zahnräder“ müssen ineinandergreifen. Sobald nur eines davon nicht funktioniert, schränkt das unsere Lebensqualität massiv ein oder unser Licht erlischt innerhalb kürzester Zeit.

Wir sind ein hochkomplexes, zerbrechliches System, das mit jedem Atemzug und jeder Sekunde immer wieder aufs Neue die Entscheidung trifft: Leben. 

Man könnte sagen: Es gibt keine Wunder. Und doch ist jedes einzelne Lebewesen dieser Welt der vollendete Beweis eines Wunders. Wenn es Gott gibt oder eine höhere Macht, dann zeigt sie sich darin, dass sich das Leben immer wieder neu aus sich selbst heraus schöpft. Die allererste Zellteilung irgendwo in der Ursuppe dieses Planeten, in diesem Sonnensystem, in dieser Galaxie, in diesem Universum, nach genau diesem einzigartigen Urknall – das war der Anfang unserer Reise. Auch wenn wir nur einen winzigen Bruchteil dieser Reise des Lebens miterleben dürfen, ist eines ganz sicher:

Es gibt Wunder. Unser Dasein allein beweist es.


Es ist die Blindheit der Gewalt

Und so frage ich mich ernsthaft: Wie ist es möglich, dass sich Menschen gegenseitig umbringen? Im Kleinen wie im Großen? Wie kommt es, dass wir diese so erfolgreiche Geschichte damit beenden, dass wir es uns anmassen, Leben zu beenden in

Mord. Totschlag. Femizid. Rache. Krieg?

Sehen so viele, allen voran kriegstreibende Präsidenten und Generäle, das Wunder nicht?


Warum lassen wir diese „Menschen-Schlachthöfe“ des Krieges geschehen? Wie zum Beispiel aktuell in: Ukraine (russischer Angriffskrieg), Belarus, Nordkaukasus, Georgien, Moldau, Israel/Gaza, Palästina, Jemen, Syrien, Irak, Libanon, Iran, kurdische Gebiete, Berg-Karabach, Sudan, Äthiopien, Demokratische Republik Kongo, Somalia, Mali, Nigeria, Kamerun, Zentralafrikanische Republik, Burkina Faso, Niger, Myanmar, Afghanistan, Pakistan, Kaschmir, Philippinen, China (Xinjiang, Tibet), Mexiko, Kolumbien, Haiti, Venezuela?


Und all das, obgleich wir doch wissen, wie fragil, sensibel, magisch und absolut einzigartig jeder einzelne Mensch, jedes einzelne Lebewesen dieser Welt ist? Welch grossartige Überlebensgeschichte wir alle in uns tragen? Bedeutet das nichts?


Sehen wir das Wunder nicht? Sehen wir den Menschen nicht? Kümmern wir uns überhaupt darum?


«Do we give a damn?» (Michael Jackson, Earth Song)

 
 
 

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